Donnerstag, 13. Januar 2011

Pater Anselm Grün in Mainz


(Bild: Wikipedia. By SirLuetzow, via Wikimedia Commons, modifiziert)

Eine beeindruckende Zahl von Menschen fand am Donnerstag Abend den Weg in die Phönixhalle in Mainz-Mombach. Die Halle war bis auf den letzten Platz gefüllt, alle Stühle besetzt. Nach Angaben der Veranstalter waren etwa 1.900 Zuhörer gekommen, um den Worten des Benediktinerpaters Anselm Grün zu lauschen, der auf Einladung der Sparkasse Mainz zum Thema ""Werte machen das Leben wertvoll"" einen Vortrag hielt. Die eher kargen Räumlichkeiten der Phönixhalle erhielten viele rote Farbtupfer durch die Werbebanner der Sparkasse Mainz; aus wirklich keiner Perspektive konnte man dies übersehen!

Gegen 20 Uhr wurden einige Zuhörer bereits ungeduldig und begannen schon mal fordernd zu klatschen. Dafür wurden sie dann zunächst mit dem neuen Imagefilm der Sparkasse Mainz belohnt, der von 2 Projektoren auf Leinwände über der Bühne projiziert wurde. Auch ein Commercial hat halt seinen Wert und Platz in einer solchen Veranstaltung.

Danach sprach das Vorstandsmitglied Hans-Günter Mann einleitende Worte und stellte den 1945 geborenen Pater anhand einiger Stationen seines Lebens vor. Und erwähnte, daß Pater Anselm Grün am folgenden Tag, dem 14. Januar 2011 seine 66. Geburtstag feiert. In der Überleitung zum Vortrag von Pater Anselm sagte er: heute solle es mal nicht um die materiellen Werte gehen, denn auch die immateriellen Werte wären wichtig.

Anselm Grün sprach dann etwa 50 Minuten zu den gebannt lauschenden Zuhörern und konnte auf vielen Ebenen Impulse zum Nachdenken setzen. Dazu zitierte er neben dem Ordensgründer Benedikt von Nursia immer wieder Psychologen und Philosophen. Zunächst befaßte er sich mit dem Begriff "Wert". „Werte sind Kraftquellen. Wir brauchen Werte als Quellen, aus denen wir leben - als kraftvolle Quellen der Gesundheit.“ „Die Beachtung von Werten, das ist Menschenwürde, und die Mißachtung von Werten, das ist die Mißachtung des Menschen“.
Dann wurden von ihm Werte wie Gerechtigkeit, Tapferkeit, Maßhaltigkeit und Klugheit angesprochen und erläutert. Gerechtigkeit bedeutet, dem Menschen und seinen individuellen Fähigkeiten gerecht zu werden“. Wer den eigenen Wert nicht richtig einschätzt/kennt, kann auch andere Menschen nicht richtig schätzen. Auch sollen die eigenen Werte verteidigt werden, und nicht im Zeitalter der Globalisierung der Beliebigkeit preisgegeben werden. Vertrauen in das Gute im Anderen und stets die Hoffnung bewahren waren weitere Punkte seiner Ausführungen. Und was Bildung anbelangt: wir sollen darauf achten, uns gute Bilder zu suchen, um sie uns einzubilden und uns damit auszubilden.

Lebendige Rituale im Leben öffnen und schließen Türen. Durch sie entsteht ein geschützter Raum und eine heilige Zeit, die heilend wirkt. So ist es hilfreich, mit einem Ritual den Arbeitstag zu beschließen, aber: „viele schließen diese Tür nicht ab, nehmen ihre Arbeit mit nach Hause“. Dann herrscht Durchzug ..."

Zu den verschiedenen Aspekten hatte Pater Anselm reichhaltig Anekdoten aus seinen vielfältigen Seminaren bei kirchlichen Institutionen, Firmen und Banken.

Im Anschluß an die Rede von Anselm Grün und dem Dank durch Vorstandsmitglied Frau Kölzer-Spitzkopf gab es dann zum Ausklang auf Einladung der Sparkasse Wein und Brezeln. Und wer wollte, konnte im Foyer am Bücherstand Büchern von Anselm Grün kaufen und sie von ihm persönlich signieren lassen.

Alles in allem ein schönes Erlebnis und ein großer Erfolg für die veranstaltende Sparkasse, die anfänglich mit etwa 350 Teilnehmern im ursprünglich dafür vorgesehenen Frankfurter Hof gerechnet hatte.

Eine Veranstaltung der Sparkasse Mainz, eine volle Phönixhalle, ein Benediktinermönch mit hoher Anziehungskraft spricht zu 1900 Menschen. Und was passiert zeitgleich im Dom in Mainz? Ich beginne darüber nachzudenken, wieso eine solche Veranstaltung nicht auf Einladung des Bistums Mainz im Mainzer Dom stattfinden kann. Wurde da nicht vor kurzem im Dom eine neue Medienanlage installiert?

Bevor ich es vergesse: Anselm Grün hielt letztes Jahr, am 22. September 2010 einen Vortrag zum Thema “Befrei mein Herz von der Angst" in der Christuskirche in Mainz.

Es gibt durchaus auch kritische Stimmen, die sich zu manchen Benediktinermönchen als Medienstars äußern. Z. B. diese hier.
Oder diese hier zu Anselm Grün als "Rendite-Pater".

Mit dem Thema "Werte machen das Leben wertvoll" ist der vielgefragte Author und Vortragsredner Pater Anselm schon länger in gefüllten Sälen unterwegs. Hier ist der Link zu einem Bericht über den im September 2010 gehaltenen Vortrag in Wirges und hier zu einem Bericht über den am 10. Januar 2011 in Esslingen gehaltenen Vortrag.

Was so garnicht zur Sprache kam: "Vix pervenit" ist der Titel einer Enzyklika, die von Papst Benedikt XIV. am 1. November 1745 in Rom veröffentlicht worden ist. Welchen Wert hat diese Enzyklika heutzutage für einen katholischen Christen?
Die Enzyklika befasst sich mit der Frage, ob es einem Christen erlaubt ist, für ein Darlehen Zinsen (usura) zu nehmen. Die Antwort ist ein radikales Nein - nicht nur zum Wucher, dem überhöhten Zins. (Aus Wikipedia).

Zitat: "I. Die Sünde, die usura (Zinsnehmen, Wucher) heißt und im Darlehensvertrag ihren eigentlichen Sitz und Ursprung hat, beruht darin, daß jemand aus dem Darlehen selbst für sich mehr zurückverlangt, als der andere von ihm empfangen hat und zu diesem Zweck aufgrund des Darlehens selbst irgendeinen Gewinn über die Stammsumme hinaus als geschuldet beansprucht. Denn der Darlehensvertrag verlangt seiner Natur nach lediglich die Rückgabe der Summe, die ausgeliehen wurde. Jeder Gewinn, der die geliehene Summe übersteigt, ist deshalb unerlaubt und wucherisch."

Mehr dazu hier und hier.

Vielleicht braucht die katholische Kirche doch die Hilfe der Mnemosyne, um sich wieder an ihre eigenen Werte zu erinnern. Wie sagte doch Pater Anselm Grün: "Werte sind Kraftquellen. Die Beachtung von Werten, das ist Menschenwürde, und die Mißachtung von Werten, das ist die Mißachtung des Menschen“.
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Hier gibt es noch ein Video zu Pater Anselm:



Und hier der Link zu dem Bericht über den Vortrag in Mainz in der "Allgemeine Zeitung" vom Samstag, 15.01.2011

1 Kommentar:

Stefan Wehmeier hat gesagt…

"Ihr habt gehört, dass gesagt ist: "Auge um Auge, Zahn um Zahn." Ich aber sage euch, dass ihr nicht widerstreben sollt dem Übel, sondern: wenn dich jemand auf deine rechte Backe schlägt, dem biete die andere auch dar. Und wenn jemand mit dir rechten will und dir deinen Rock nehmen, dem lass auch den Mantel. Und wenn dich jemand nötigt, eine Meile mitzugehen, so geh mit ihm zwei."

Jesus von Nazareth

"Man sagt es harmlos, wie man Selbstverständlichkeiten auszusprechen pflegt, dass der Besitz der Produktionsmittel dem Kapitalisten bei den Lohnverhandlungen den Arbeitern gegenüber unter allen Umständen ein Übergewicht verschaffen muss, dessen Ausdruck eben der Mehrwert oder Kapitalzins ist und immer sein wird. Man kann es sich einfach nicht vorstellen, dass das heute auf Seiten des Besitzes liegende Übergewicht einfach dadurch auf die Besitzlosen (Arbeiter) übergehen kann, dass man den Besitzenden neben jedes Haus, jede Fabrik noch ein Haus, noch eine Fabrik baut."

Silvio Gesell

"The greatest tragedy in mankind's entire history may be the hijacking of morality by religion."

Arthur C. Clarke

Die Aussagen von wahren Genies bleiben für gewöhnliche Menschen unverständlich, und selbst den Gelehrten und ernsthaften Studenten können sie nur mit Mühe sinnhaftig werden:

http://www.deweles.de/willkommen/cancel-program-genesis.html